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Recht / Zivilrecht 
Mittwoch, 07.11.2018

Effektive Abwehrmaßnahmen gegen unangeleinten Hund rechtmäßig - Volle Haftung eines Hundehalters

Wenn sich ein nicht angeleinter Hund nähert, den der Hundehalter nicht (mehr) unter Kontrolle hat, dürfen effektive Abwehrmaßnahmen ergriffen werden. Angesichts der Unberechenbarkeit tierischen Verhaltens muss der Abwehrende zuvor nicht analysieren und bewerten, ob das Verhalten des Tieres auf eine konkrete Gefahr schließen lässt. So entschied das Oberlandesgericht Rheinland-Pfalz (Az. 1 U 599/18).

Ein Mann joggte im Wald und hatte an der Leine eine Hündin dabei. Zur gleichen Zeit gingen dort ein Hundehalter und seine Ehefrau mit ihrem Hund spazieren. Dieser hatte seinen Hund nicht angeleint. Nach der örtlichen Gefahrenabwehrverordnung bestand die Verpflichtung, Hunde außerhalb bebauter Ortslagen umgehend und ohne Aufforderung anzuleinen, wenn sich andere Personen nähern oder sichtbar werden. Der Hund des Ehepaars verschwand schließlich aus dessen Sichtweite und rannte zu dem Jogger. Dieser rief die für ihn nicht sichtbaren Hundehalter auf, ihren Hund zurückzurufen und anzuleinen. Trotz entsprechender Rufe des Ehemanns kam sein Hund aber nicht zu ihm zurück. Bei dem Versuch, den Hund mit einem Ast von sich fernzuhalten, rutschte der Jogger aus und zog sich eine Ruptur der Quadrizepssehne zu, welche operativ versorgt wurde. Der Beklagte meinte, sein Hund habe sich erkennbar nicht aggressiv verhalten, sondern nur mit dem anderen Hund spielen wollen. Die Abwehrhandlung des Klägers sei daher nicht erforderlich gewesen, weshalb er nicht für die dem Kläger entstandenen Schäden hafte. Zumindest habe sich der Kläger ein Mitverschulden anrechnen zu lassen.

Bereits das Gericht erster Instanz gab jedoch dem Kläger Recht und stellte die uneingeschränkte Haftung des Beklagten für die dem Kläger aus dem Angriff des Hundes entstandenen und noch entstehenden Schäden fest. Das OLG bestätigte diese Entscheidung. Der Beklagte hafte für die Schäden des Klägers, weil er gegen die örtliche Gefahrenabwehrverordnung verstoßen habe, indem er seinen Hund im Wald außerhalb seiner eigenen Sichtweite laufen ließ und damit nicht mehr jederzeit anleinen konnte. Ohne Bedeutung für die Entscheidung sei, ob der Hund des Beklagten nur mit der vom Kläger mitgeführten Hündin habe spielen wollen. Es sei dem Spaziergänger (mit oder ohne eigenen Hund) unter Berücksichtigung der Unberechenbarkeit tierischen Verhaltens nicht zumutbar, zunächst das Verhalten des Hundes auf seine Gefährlichkeit zu analysieren und zu bewerten, und damit Gefahr zu laufen, das Verhalten eventuell falsch zu interpretieren. Gelange ein fremder Hund unangeleint und ohne Kontrolle durch den Halter in die Nähe eines Spaziergängers, dürfe dieser effektive Abwehrmaßnahmen ergreifen. Verletze er sich hierbei, treffe ihn kein Mitverschulden und der Hundehalter hafte in vollem Umfang.

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