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Steuern / Einkommensteuer 
Mittwoch, 21.08.2019

Kosten für Besuch eines Fitness- und Gesundheitsclubs als außergewöhnliche Belastungen?

Das Finanzgericht Köln entschied, dass Kosten für den Besuch des Fitness- und Gesundheitsclubs nicht als außergewöhnliche Belastungen zu berücksichtigen sind (Az. 7 K 2297/17).

Die Klägerin machte in ihrer Einkommensteuererklärung 2015 neben weiteren Aufwendungen den Jahresbeitrag für den Fitness- und Gesundheitsclub i. H. v. 588 Euro sowie Kosten für 148 Fahrten dorthin mit einer Strecke von jeweils 56 km i. H. v. 2.486 Euro als außergewöhnliche Belastungen geltend. Sie hatte nach insgesamt zehn Operationen von 2010-2016 künstliche Gelenke in beiden Hüften und beiden Knien, einen Zustand eines unfallbedingt stark vorgeschädigten Fußgelenkes nach Versteifungsoperation sowie einen Zustand der unfallbedingt stark geschädigten Lendenwirbelsäule nach Versteifungsoperation. Aufgrund dieser erheblichen orthopädischen Beschwerden ergäben sich diverse erhebliche Bewegungseinschränkungen und Fehlhaltungen, die zur Mobilisierung durch regelmäßige Thermalwasser-Therapien behandelt werden müssten.

Das Gericht wies die Klage dennoch ab. Eine derart typisierende Behandlung von Krankheitskosten zugunsten des Steuerbürgers sei nur dann geboten, wenn die Aufwendungen nach den Erkenntnissen und Erfahrungen der Heilkunde und nach den Grundsätzen eines gewissenhaften Arztes zur Heilung oder Linderung der Krankheit vertretbar sind und auch nach diesen Grundsätzen vorgenommen werden, also medizinisch notwendig seien. Im Hinblick auf diese Einschränkung, also zur Feststellung der medizinischen Notwendigkeit der den Aufwendungen zugrunde liegenden Maßnahmen, habe die Steuerpflichtige die Zwangsläufigkeit von Aufwendungen im Krankheitsfall in einer Reihe von Fällen formalisiert nachzuweisen: Bei krankheitsbedingten Aufwendungen für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel sei dieser Nachweis durch eine Verordnung eines Arztes oder Heilpraktikers zu führen. Zudem werde ein im Vorfeld ausgestelltes amtsärztliches Gutachten oder eine vorherige ärztliche Bescheinigung eines Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung verlangt. Hier sei nicht festzustellen, dass die Aufwendungen für den Besuch des Fitnesscenters im Streitjahr für die Klägerin zwangsläufig in dem vorgenannten Sinne waren.

Hier sei bereits fraglich, ob und inwieweit es sich bei den Fitnessstudiobeiträgen und den aus den Fitnessstudiobesuchen folgenden Fahrtkosten überhaupt um unmittelbare Krankheitskosten und nicht vielmehr um Kosten für vorbeugende oder allgemein gesundheitsfördernde Maßnahmen gehandelt habe, die zu den nicht abziehbaren Kosten der Lebensführung gehören. Ein nicht unerheblicher Teil der von der Klägerin tatsächlich in Anspruch genommenen Leistungen wie die Wirbelsäulengymnastik und das Gerätetraining – möglicherweise sogar die Thermalwassergymnastik – stelle nicht spezifisch medizinisch notwendige Maßnahmen dar, die von einer Vielzahl gesunder Menschen präventiv oder zur Erhaltung der Fitness durchgeführt werden und nach den vorstehenden Ausführungen als allgemein gesundheitsfördernde Maßnahmen nicht berücksichtigungsfähig seien.

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